Auf der Bühne

#01 – Welche Live-Formate passen am besten zu Singer-Songwritern?

Als ich das erste Mal, mit einer befreundeten Sängerin zusammen, ein paar Lieder bühnenreif fertig hatte, konnten wir es kaum abwarten, sie auf einer Bühne zu spielen. Uns war dabei erstmal völlig egal auf welcher. Natürlich kannten wir auch noch kaum Veranstalter. Deshalb spielten wir zu Beginn wirklich überall und sagten jedes Angebot zu. Nach einiger Zeit wurde uns dann aber bewusst, dass einige Formate für unsere Musik überhaupt nicht geeignet sind. Selbstgeschriebene Songs mit relativ tiefgründigen Texten fanden auf Vereinsfesten oder in vollen Kneipen wenig Anklang. Darüber hinaus waren wir mit Akustikgitarre und Gesang auch einfach zu leise für derartige Veranstaltungen. Wir haben uns nicht wohl gefühlt, weil das Drumherum lauter war, als unsere Musik und sich scheinbar niemand für unsere Musik interessierte. Nach dieser Erkenntnis haben wir angefangen, gezielt nach Auftritten zu suchen, die eher unserem Musikstil entsprechen. Die Erfahrungen, die ich bisher mit allen möglichen Formaten gemacht habe, möchte ich hier mit euch teilen und zur Diskussion stellen. Ich gehe davon aus, dass viele von euch ähnliche Erlebnisse hatten und bin schon gespannt auf eure Kommentare und Ergänzungen!

Zu Beginn sei noch gesagt, dass ich hier unsere Erfahrungen als ziemlich unbekanntes, junges Singer-Songwriter-Duo beschreibe, welches keine große, eigene Fanbase besitzt. Wir sind als „Von wegen Romeo“ jetzt seit ungefähr drei Jahren auf kleinen Bühnen im Ruhrgebiet und Umgebung unterwegs.



Open Stages

Die offenen Bühnen waren in den letzten Jahren ständige Begleiter unserer Live-Präsenz. Bei diesem Format ist es schwierig, alle über einen Kamm zu scheren. Bei einigen Open Stages ist man Hintergrundbeschallung während eines laufenden Kneipenbetriebs, bei anderen gibt es ein erstaunlich aufmerksames und wohlwollendes Publikum.

Wenn man sich in seiner Umgebung ein bisschen auskennt und zu den “guten“ Open Stages geht, tut man sich, glaube ich, einen großen Gefallen.


Die Spielzeit ist zwar sehr begrenzt (meistens nur 2 oder 3 Songs), aber das kann am Anfang ja sogar ein Vorteil sein, wenn das eigene Repertoire noch sehr klein ist. Im aufmerksamen Publikum sitzen dann häufig viele Menschen, die selbst ebenfalls Musiker sind und/oder Veranstaltungen organisieren. Hier gibt es also auch häufig gute Möglichkeiten zum Netzwerken. Häufig sind bei offenen Bühnen auch kurzfristige Auftritte möglich. Und wenn man doch mal etwas weiter weg in eine fremde Stadt fahren will, um dort zu spielen, reicht eine kurze Google-Suche aus, um eine Open Stage vor Ort ausfindig zu machen.

Eine Gage kann man bei offenen Bühnen eher nicht erwarten, mit Glück gibt es ein oder zwei Freigetränke 😉 Auch die technischen Voraussetzungen vor Ort sind nicht immer die Besten (z.B. keine Monitore), aber auch da kommt es immer ganz auf die jeweilige Veranstaltung an.

Aus den genannten Gründen eignen sich offene Bühne meiner Meinung nach vor allem zum Start in die Musikerkarriere. Wir hatten einige schöne Auftritte bei Open Stages und das ohne große Kontakte oder viele Songs haben zu müssen.



Song Slams

Wir haben als Duo zwar nie an einem Song Slam teilgenommen, aber ich veranstalte seit einiger Zeit einen im Ruhrgebiet. Über das Format habe ich mich auch hier auf dem Blog schon ausführlich mit Max Madjé unterhalten.

Grundsätzlich haben Song Slams ähnliche Vorzüge wie die, von mir beschriebenen, “guten“ offenen Bühnen. Das Publikum ist oft sehr aufmerksam und weiß vor allem gute Texte sehr zu schätzen.


Große Songwriter-Qualitäten kommen in diesem Format also sehr stark zum Tragen, was nach diversen Auftritten als Hintergrundbeschallung eine sehr befriedigende Erfahrung sein kann. Genau wie bei Open Stages ist auch hier der Suchaufwand sehr gering – einfach nach „Song Slam“ in einer beliebigen Stadt googlen. Die Teilnahme ist ebenfalls möglich mit wenigen, eigenen Songs und das Format bietet eine hervorragende Möglichkeit, um neue Kontakte zu knüpfen oder in fremden Städten neue Leute zu erreichen.

Natürlich muss man aber grundsätzlich dem Wettbewerbscharakter des Song Slams offen gegenüberstehen. Daran scheiden sich ja oft die Geister. Warum das aber für die teilnehmenden Künstler häufig gar nicht so im Vordergrund steht, erfahrt ihr ebenfalls im erwähnten Beitrag auf diesem Blog. Natürlich kann aber ein frühes Ausscheiden (womöglich mit sehr wenigen Punkten) das Ego, gerade von jungen Musikern, verletzen. Außerdem muss man beim Song Slam häufig mit wenig Aufwandsentschädigung und Spielzeit rechnen. Wenn man garantiert zwei Songs spielen darf, ist das schon nicht schlecht.

Wenn ihr euch damit jetzt so gar nicht anfreunden könnt, lohnt sich vielleicht mal ein Blick in die “benachbarte“ Poetry-Szene. Einige Slams dort suchen für ihr Rahmenprogramm nach Singer-Songwritern, die einige Lieder außerhalb der Konkurrenz spielen dürfen. Damit habe ich auch schon gute Erfahrungen gemacht.

Trotzdem finde ich, dass es sich lohnt das Format mal auszuprobieren. Auch wir als „Von wegen Romeo“ hatten das für dieses Jahr geplant. Das musste allerdings wegen Corona erstmal verschoben werden. Nicht zu verwechseln sind Song Slams übrigens mit Bandwettbewerben, die ihrerseits häufig mit irgendwelchen großen Preisen werben. An einem solchen haben wir als Duo auch schon teilgenommen, aber nur schlechte Erfahrungen gemacht. Eine pseudo-professionelle Jury, die scheinbar nur wegen der kostenlosen Verpflegung da war und der Stress im Vorfeld, genügend eigene Leute im Publikum zu haben, waren für uns sehr frustrierend. Vielleicht hat einer von euch da aber auch bessere Erfahrungen gemacht? Würde mich sehr interessieren!



Kleine Musikfestivals/Konzertabende

Ob drinnen oder draußen – Musikfestivals sind doch eigentlich immer was Schönes. Und auch im „Amateur“-Bereich gibt es da einiges, wenn man die ganzen Konzertabende mal einschließt, an denen einfach zwei oder drei Bands/Künstler irgendwo auftreten. Der größte Vorteil liegt hier meiner Meinung nach in der längeren Spieldauer. Da sind eigentlich immer mindestens 30 Minuten Stagetime drin, aber wir durften auch schon mal für eine Stunde spielen. Wohlgemerkt als völlig unbekanntes Akustik-Duo!


Da ist natürlich jede Menge Zeit um das, meist logischerweise sehr musikinteressierte Publikum, von sich zu überzeugen. Da man am Anfang meistens nicht der “Headliner“ ist, kennen die meisten Zuschauer einen noch nicht. Die Bands passen aber bei diesen Veranstaltungen vom Genre her meistens einigermaßen gut zusammen, was die Ansprechbarkeit des Publikums auch für die eigene Musik erhöht. Manchmal entstehen dann auch gute Kontakte zu den anderen Künstlern, die zum Beispiel weitere gemeinsame Auftritte oder ähnliches zur Folge haben. Häufig ist bei diesen Konzertabenden oder kleinen Festivals auch eine Gage für jeden Künstler drin. Das ist schon mal mehr als bei Open Stages oder Song Slams 😉

Je nachdem wie die Veranstalter und anderen Bands so aufgestellt sind, können solche Auftritte für euch aber auch vergleichsweise viel Aufwand bedeuten. Manchmal sind die Gagen zum Beispiel von den insgesamt verkauften Tickets abhängig. Und weil man ja auch nicht vor fünf Leuten spielen will, liegt es im eigenen Interesse viel Werbung für die Veranstaltung zu machen, um möglichst viele Leute zu mobilisieren.

In einigen seltenen Fällen habe ich es auch erlebt, dass der “Headliner“ des Abends derart im Fokus der anwesenden Zuschauer stand, dass man selbst trotzdem nur vor einer Hand voll Leuten gespielt hat. Die Fans der Hauptband standen dann im Vorraum oder draußen, um zu quatschen. Das ist frustrierend, aber meiner Erfahrung nach, wie gesagt, eine Ausnahme.




Kneipen und Stadtfeste

Während ich die bisherigen drei Formate alle eher weiterempfehlen würde, gilt das für Auftritte in Kneipen oder bei Stadt- und Straßenfesten nur sehr eingeschränkt. Klar, man erreicht rein quantitativ vergleichsweise viele Menschen. Häufig gibt es auch Freigetränke und manchmal sogar eine überraschend hohe Gage (oder hatte ich da immer nur Glück?).

Aber: Meiner Erfahrung nach machen diese Auftritte wenig bis gar keinen Spaß. Desto mehr Leute in der Kneipe sitzen, desto weniger aufmerksam hören sie zu. Man wird zur reinen Hintergrundbeschallung, was sehr schade ist, wenn man sich mit seinen Texten sehr viel Mühe gemacht hat. Eine Message kann man hier eigentlich nicht rüberbringen.


Da die meisten “Zuschauer“ nicht wirklich zuhören, oder bei Stadtfesten sogar sehr schnell wieder weitergehen, kann man eigentlich auch keine Eigenwerbung machen.

Meine Erfahrungen mit Veranstaltungen dieser Art sind, abgesehen vom finanziellen Aspekt, negativ geprägt. Ähnliches habe ich auch schon von befreundeten Singer-Songwritern gehört. Vielleicht sind diese Formate einfach eher was für Cover-Bands, die das Publikum auch etwas lauter beschallen können.




Straßenmusik

Eine sehr einfache Möglichkeit, seine Musik an die Öffentlichkeit zu bringen ist die Straßenmusik. Sie kostet aber auch ein wenig Überwindung. Schließlich beschallt man die Leute in der Stadt ja ungefragt. Trotzdem war ich am Ende immer positiv überrascht. Es gab immer mehr Leute, die interessiert waren und mehr Münzen im Hut, als ich erwartet hätte. Das macht dann, vor allem bei schönem Wetter, natürlich schon Spaß und streichelt das eigene Ego. Ein weiterer Vorteil ist die quasi unbegrenzte Spielzeit. Solange man ab und zu mal den Standort wechselt kann man den ganzen Tag seine Lieder spielen. Wie viel davon dann bei den vorbeilaufenden Menschen hängen bleibt, ist aber fraglich.


Selbst wenn die Menschen dich, trotz ihrer alltäglichen Hektik und der eher schlechten Akustik, gut finden, werden sie dich vermutlich eher nicht mit Namen kennen oder ihn wahrscheinlich schnell wieder vergessen.

Ich muss dazu sagen, dass sich meine Erfahrungen mit Straßenmusik auf einige wenige Male beschränken. Deshalb interessieren mich hier eure Kommentare und Meinungen wieder besonders!




Eigene Konzerte

Wer bei all diesen vorgestellten Formaten bisher immer noch nichts für sich gefunden hat kann sein Glück auch selbst in die Hand nehmen und eine eigene Veranstaltung organisieren. Das ist allerding sehr viel Arbeit! Ich hatte vor einigen Jahren selbst Lust bekommen, ein paar Konzerte auf die Beine zu stellen. Es hat mir auch viel Spaß gemacht und ich tue es heute noch. Aber ich habe anfangs den Aufwand unterschätzt. Man muss sich ja nicht nur um die offensichtlichen Dinge wie Booking, Bühne und Technik kümmern.


Von der Gestaltung der Flyer bis hin zum Catering muss man alles selbst in die Hand nehmen, beziehungsweise Leute finden, die das übernehmen möchten. Das alles lohnt sich nur, wenn man an der Organisation selbst schon Spaß hat.

Die Vorteile von eigenen Konzerten liegen allerdings auf der Hand: Du bestimmst alle Rahmenbedingungen selbst. Vom Line-Up bis hin zur Ausschüttung von Gagen (jedenfalls wenn du genug Geld im Topf hast) kannst du entscheiden, wie es läuft. Und über meine Rolle als Veranstalter konnte ich außerdem viele wertvolle Kontakte zu anderen Musikern knüpfen.


Eure Erfahrungen

Wie schon mehrmals angeklungen ist, interessieren mich dieses Mal besonders auch eure Erfahrungen mit verschiedenen Live-Formaten. Bestimmt haben einige von euch auch schon viel mehr Bühnenerfahrung als ich. Welche Erfahrungen habt ihr mit den vorgestellten Formaten gemacht? Welche anderen Veranstaltungen würdet ihr empfehlen und von welchen dringend abraten? Und aus aktuellem Anlass: Welche Erfahrungen habt ihr vielleicht mit online gestreamten Konzerten gemacht?

Ich freu mich auf eure Kommentare! Gerne hier auf dem Blog, auf Facebook oder per Mail an info@untertoene.de







Urheberrechte
Foto „Open Stages“: open mic night – Sina Farhat (https://www.flickr.com/photos/belola/5492170469)

Foto „Song Slams“: Urheber ist Markus Freise

Alle weiteren Fotos sind von www.unsplash.com

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