Gastbeitrag

Songwriting in progress: Hirschgespinnst – „Song (noch) ohne Titel“

Heute lest ihr hier auf dem Blog den ersten Gastbeitrag. Netterweise hat mir Celestino alias „Hirschgespinnst“ ein paar Songzeilen und seine Gedanken dazu geschickt. An diesem Song arbeitet er zur Zeit, weshalb er auch noch keinen Titel hat.

Wir freuen uns auf eure Kommentare und Meinungen zum Song. Außerdem seid ihr herzlich eingeladen, es Celestino nachzumachen und selbst auf diesem Blog eure Songwriting-Ergebnisse oder Zwischenstände zu teilen. Der Untertöne-Blog soll schließlich genau für sowas eine Plattform sein.



Der Refrain

Mit Hinblick auf die momentane „große“ Krise und die daraus entstehenden kleinen, sehr individuellen Krisen, fing ich an über meine Lebenskrisen nachzudenken. Ich stellte fest, dass alle vergangenen Krisen nicht wirklich schlimm erscheinen und eigentlich harmlos waren. Das haben zugegebenermaßen schon viele Menschen vor mir festgestellt, da es sonst den Spruch „Die Zeit heilt alle Wunden!“ nicht gäbe.

Aus diesem Gefühl, das alles einfach so vorbeizieht, habe ich dann kurz einen Refrain gebastelt, der genau dieses ausdrücken soll:


„Die Wolken ziehen weiter,
Gräser wiegen sich im Wind.
Und alles, was passiert ist,
ist das wir älter und klüger geworden sind.“


Die angesprochenen Gräser sollen dabei auf den sprichwörtlichen Sack Reis verweisen und etwas klarer machen, dass eigentlich gar nichts passiert ist. Im Nachhinein allerdings gestehe ich Ihnen auch zu, dass sie den Perspektivwechsel mit einbringen. Denn eine sich im Wind wiegende Wiese ist eigentlich etwas Schönes und Beruhigendes. Man kann sie aber nur sehen, wenn man den Blick von den Wolken abwendet.

Die vierte Zeile soll dann etwas Positives mit einbringen, sodass wenigstens das Gefühl bleibt, einen Gewinn zu haben – auch, wenn älter zu werden nicht für jeden reizvoll scheint.


Die erste Strophe

Um die im Refrain angesprochenen Wolken mit etwas zu füllen und dem Hörer die Chance zu geben, sich dort hineinzuversetzen, habe ich dann die beiden bekanntesten Krisen für meine Strophen gewählt. Zuerst den Burnout, um den Job als einen wichtigen Teil im Leben zu berücksichtigen. Mit den ersten beiden Zeilen ist zuerst das recht harmlose Gefühl „urlaubsreif“ zu sein beschrieben.


„Irgendwann in deinem Leben glaubst du, du hast genug getan
Du brauchst dringend etwas Urlaub und das für sehr, sehr lang.“


So soll der Zugang zu der Krise auch für die erleichtert werden, die bisher noch keine Erfahrungen damit gemacht haben. Die folgenden Zeilen geben dann in der vorhandenen Kürze der Zeit eine Idee, welche Krise gemeint ist:


„Du kannst die Arbeit nicht mehr leisten, musst dich neu orientieren
Einfach irgendetwas anderes tun. Du lässt dich zu leicht frustrieren.“


Zum Schluss jeder Strophe sind dann nochmal zwei individuelle Zeilen in einer Art Bridge angehängt. Sie versuchen mit einer Art „Kopf hoch!“ zum Refrain überzuleiten:


„Doch die Anstrengung vergeht, sobald du dir die Zeit nimmst.
Alles ist vergessen, sobald du wieder neu beginnst.“



Die zweite Strophe

Die zweite Strophe ist sehr ähnlich aufgebaut und benutzt jetzt die nächste Krise, die jeder kennt: Die zu Ende gehende Liebe.
Auch hier sind die ersten beiden Zeilen etwas neutraler, während die Zeilen 3 und 4 sich dann mehr Mühe geben, das tatsächliche Gefühl zu beschreiben.


„Wie im Job so in der Liebe plötzlich geht’s nicht mehr voran.
Was man auch versucht, es scheint man kommt nicht mehr zusammen.
Das Leben ist zu Ende. Es gibt nichts, das einen hält.
Es gibt nichts, das sich noch lohnt zu tun, wenn man von Wolke 7 fällt.

Doch auch dieser Schmerz vergeht, so wie die Zeit vorrüberzieht.
Alles ist vergessen sobald man wieder neue Menschen sieht.“


Dabei ist mir zu spät aufgefallen, dass ich von „Du“ auf „man“ übergegangen bin. Ich habe es für diesen Artikel noch so gelassen, muss es aber jetzt dringend ändern. Denn beides zusammen in einem Lied halte ich für einen Kunstfehler, wenn es sich irgendwie vermeiden lässt.



Die dritte Strophe

Da die beiden Strophen zusammen mit dem Refrain jedweden Krisen nicht wirklich gerecht werden, habe ich noch eine dritte Ministrophe (2 Zeilen) hinzugeschrieben. Sie schlägt den Bogen zu den individuell vielfältigen Krisen und soll auch dem Gefühl, wenn man sich gerade in einer befindet, etwas Rechnung tragen.


„So hat jeder seine Krisen. Die eine kurz, die andere lang.
Und während sie gerade da sind, kommt man nicht dagegen an.
Doch jeder Schmerz vergeht, wenn du ihm die Chance gibst.
Lass die Wolken ziehen bis du wieder klaren Himmel siehst.“


Diesmal schlägt das „Kopf hoch!“ in Zeile 3 und 4 mehr den Bogen direkt zum Refrain und versucht das Bild etwas besser zu erklären. „Lass die Wolken ziehen“ ist zwar ein Rat, den jemand in einer Krise nicht unbedingt hören möchte, weil einfach abzuwarten bis alles vorbei ist wohl kaum einem Menschen liegt. Und doch sagt er nicht viel anderes als ein „Hör auf, kontrollieren zu wollen, was sich nicht kontrollieren lässt“. Das Bild der Wolken macht das recht deutlich, insbesondere, wenn man versucht sich vorzustellen, wie man versucht Wolken wegzupusten.

Insgesamt soll das Lied dann einfach ein positives Gefühl hinterlassen. Also ein Einfaches „Alles halb so schlimm!“ oder „Alles wird gut!“


Vielen Dank, dass du dich mit meinem Text und meinen Gedanken auseinandergesetzt hast. Ich freue mich über jeden Kommentar und jede Anregung, die daraus oder aus dem ganzen Lied entstehen. Möget ihr von Krisen verschont bleiben und wenn sie euch doch ereilen, wesentlich klüger daraus hervorgehen!



Hier könnt ihr noch in das Lied hineinhören!



Über den Autor
Hi, I bims 1 Hirschgespinnst. Seit 20 Jahren großartiger Hobbymusiker, einzigartiger Schrammler, manchmal Zupfler und Held des Junggebliebenenhumors. Wenn ihr noch nichts von mir gehört habt ist das noch nicht so schlimm, das hat sich ja gerade geändert. Kann jedem mal passieren. Ein paar Aufnahmen könnt ihr euch bei Soundcloud anhören, aber ich empfehle euch lieber mal live dabei zu sein und mitzufeiern. Wer jetzt Superfan, Groupie oder Roadie werden will kann sich auf meinen Seiten auf den asozialen Netzwerken (Twitter, Telegram, Insta und facebook) bewerben.




Der ganze Songtext

1. Strophe
Irgendwann in deinem Leben glaubst du, du hast genug getan.
Du brauchst dringend etwas Urlaub und das für sehr sehr lang.
Du kannst die Arbeit nicht mehr leisten, musst dich neu orientieren.
Einfach irgendetwas anderes tun. Du lässt dich zu leicht frustrieren.

Doch die Anstrengung vergeht, sobald du dir die Zeit nimmst.
Alles ist vergessen sobald du wieder neu beginnst.

Refrain
Die Wolken ziehen weiter,
Gräser wiegen sich im Wind
und alles was passiert ist,
ist das wir älter und klüger geworden sind.

2. Strophe
Wie im Job so in der Liebe, plötzlich geht’s nicht mehr voran.
Was man auch versucht, es scheint man kommt nicht mehr zusammen.
Das Leben ist zu Ende. Es gibt nichts, das einen hält.
Es gibt nichts, das sich noch lohnt zu tun, wenn man von Wolke 7 fällt.

Doch auch dieser Schmerz vergeht, so wie die Zeit vorrüberzieht.
Alles ist vergessen, sobald man wieder neue Menschen sieht.

Refrain
Die Wolken ziehen weiter….

3. Strophe
So hat jeder seine Krisen. Die eine kurz, die andere lang.
Und während sie gerade da sind, kommt man nicht dagegen an.
Doch jeder Schmerz vergeht, wenn du ihm die Chance gibst.
Lass die Wolken ziehen bis du wieder klaren Himmel siehst.

Refrain
Die Wolken ziehen weiter….

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