Mein Songwriting

#02 – Mein Song „Bei dir“ – Teil 2

Vor einigen Wochen, als der Corona-Lockdown mich so richtig aus dem alltäglichen Leben gerissen hatte, habe ich die erste Strophe und den Refrain zu meinem Song „Bei dir“ geschrieben. In diesem Song geht es um den sicheren Halt bei einer geliebten Person, der gerade in schwierigen und unsicheren Zeiten sehr guttut. Meine Gedanken und Zeilen dazu könnt ihr hier nochmal nachlesen.


Die zweite Strophe

Ich habe den Song einige Wochen liegen gelassen und mich jetzt nochmal neu dran gesetzt. Dabei habe ich unter anderem entschieden, den Song ganz klassisch aufzubauen. Ich habe also noch eine zweite Strophe und eine kleine Bridge dazu getextet. Ich finde dieser Aufbau passt einfach am besten zum Inhalt, den ich hier vermitteln möchte. Die sehr melancholische Stimmung aus der ersten Strophe wurde ja im Refrain bereits gebrochen. Er vermittelt das positive und geborgene Gefühl eines sicheren Halts. Dieses Gefühl setzt sich in der zweiten Strophe auch fort.


„Und spielt die Welt verrückt, komm ich erst recht zu dir zurück.
Dann bleib ich mit dir zu Haus, kein Problem wir geh‘n heut nicht mehr raus.“


In der ersten Strophe ging es eher um die wohltuende Entschleunigung, die man im stressigen Alltag, in dem man ständig auf Achse ist, bei einer geliebten Person erfahren kann. Die ersten zwei Zeilen der zweiten Strophe sind jetzt eher an die Stay-Home-Zeit zuletzt angelehnt. Dahinter steht der Gedanke: Wenn die Welt verrücktspielt, dann schließ ich mich gerne mit dir zusammen in der Wohnung ein. Der sichere Halt ist eben auch ein Ort, an den man sich in Krisenzeiten zurückziehen kann. Hier kann man sich mit einem guten Gefühl richtig verkriechen. Ich glaube die letzte Zeit war vor allem für Menschen, denen dieser sichere Halt fehlt, besonders hart.


„Auch in meinen letzten Tagen, wenn mich meine Füße nicht mehr tragen,weiß ich, dass ich meinen Weg, noch mit dir zu Ende geh.“


In dem zweiten Teil der Strophe habe ich noch eine Anmerkung aufgegriffen, die als Ergänzung zu meinem letzten Blogartikel zum Thema Liebeslieder an mich herangetragen wurde. Der Liedermacher Hirschgespinnst hatte dazu angemerkt, dass man in Liebesliedern auch mal „zu Ende denken sollte“. Er meinte damit, auch das gemeinsame alt werden zu thematisieren, um so zu neuen Bildern und Metaphern zu kommen.

Bild-Quelle: https://www.flickr.com/photos/tokaris/207335658

Ich fand den Gedanken auch hier sehr passend. Denn im Alter hat man nur noch wenige Bezugspersonen, der Alltag entschleunigt sich deutlich und trotzdem sind Krisen zu bewältigen (Freunde und Bekannte versterben, man selbst ist zunehmend von Krankheiten betroffen). Für mich eindeutig eine Lebenssituation, in der es besonders wichtig ist, einen sicheren Halt bzw. eine geliebte Person an seiner Seite zu haben. Zwischen den Zeilen steckt hier auch wieder der “Zusammen sind wir stark“-Gedanke drin. Auch wenn meine Füße mich nicht mehr tragen, weiß ich, dass ich es mit deiner Hilfe schaffen werde, den Weg weiterzugehen. Hier stecken also zwei Sachen drin: Einmal ist es der Wunsch, den eigenen Lebensweg mit der geliebten Person zu Ende zu gehen. Gleichzeitig symbolisieren die Zeilen aber auch wieder die ganz praktische Unterstützung, die man vom sicheren Halt bekommt (zum Beispiel Unterstützung bei körperlicher Schwäche).

Dem aufmerksamen Beobachter ist vielleicht aufgefallen, dass die zweite Strophe im Gegensatz zur ersten ein durchgängiges Reimschema besitzt. Das war eigentlich gar nicht von mir beabsichtigt, aber die Zeilen haben sich so ergeben. Im Gesamtwerk hat es mich dann eigentlich nicht gestört.


Die Bridge

In der Bridge habe ich mich entschieden noch einmal die Situationen zu betonen, in denen ein sicherer Halt besonders wichtig ist. Am Ende der Bridge steht dann mein Angebot, auch selbst für die geliebte Person ein sicherer Halt zu sein.


„Wenn um uns rum alles zerbricht,
wenn überhaupt nichts sicher ist,
wenn wir die Außenseiter sind
halt dich hier fest, da wo ich bin!“


Denn jeder sollte sich bewusst sein, dass auch er ein sicherer Halt für jemanden ist oder sein kann. Unser Verhalten beeinflusst stark, ob sich die Menschen in unserem engeren Umfeld wohlfühlen oder nicht. Wenn wir darauf nicht achten und selbst nie der sichere Halt für jemanden sein wollen, dann können wir, glaube ich, auch keine gesunden und stabilen Beziehungen führen.


Zum Abschluss möchte ich dir danken, dass du diesen Beitrag gelesen hast. Danke, dass du dir Zeit genommen hast, dich mit meinen ganz persönlichen Gedanken zu beschäftigen. Den ganzen Text zu meinem Song „Bei dir“ gibt es hier.

Ich würde mich freuen, wenn wir uns hier auf diesem Blog über unsere Texte austauschen könnten. Wenn du Lust hast, schick mir auch gerne deine Texte und Gedanken dazu. Denn auch dafür soll hier auf diesem Blog Platz sein. Einfach per Mail an info@untertoene.de


Über die Rubrik „Mein Songwriting“
Hier geht es darum, interaktiv an Songs zu arbeiten. Als Anstoß dazu dienen Zeilen aus unfertigen selbstgeschriebenen Liedern und die dazugehörigen Gedanken. Ich werde hier Songs präsentieren, an denen ich gerade arbeite. Ich freue mich aber auch sehr, wenn ihr eure unfertigen Lieder teilt.
Schreibt mir einfach eine Mail an: info@untertoene.de



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